Die Freiwilligen, aus Vergangenheit und Gegenwart, der Feuerwehr Tüngeda, hier 2015 anlässlich des Jubiläums vor dem Schloss, sind stets zur Stelle, wenn irgendwo tatkräftige Hilfe benötigt wird. (Foto: T. Metzner)

Die Freiwilligen, aus Vergangenheit und Gegenwart, der Feuerwehr Tüngeda, hier 2015 anlässlich des Jubiläums vor dem Schloss, sind stets zur Stelle, wenn irgendwo tatkräftige Hilfe benötigt wird. (Foto: T. Metzner)

Das gesellschaftliche Leben im 500-Seelen-Ort Tüngeda steht und fällt mit der Freiwilligen Feuerwehr. Die kümmert sich um viele Veranstaltungen, wie das Maibaumstellen und den Martinstag, den Park und die Gebäude, räumen auf, betreiben die Bockwindmühle und übernehmen die Verantwortung auf dem Friedhof für das Grab der sechs unbekannten Kriegsopfer. Basis und Rückhalt ist der Feuerwehr- & Heimatverein Tüngeda e.V., der zu diesem Zweck 2014 erweitert wurde. Heutzutage entstand sogar eine weitere Unterabteilung – die Mütter der „Tüngedaer Elterninitiative“, welche sich liebevoll um den Spielplatz kümmern und jährlich ein Weihnachtsmärchen aufführen.

In erster Linie sind die Kameraden aber Rettungskräfte und für den örtlichen sowie, eingegliedert in die Löscheinheit IV, für den überörtlichen Brandschutz der Gemeinde mit verantwortlich. Die Feuerwehr hilft, wenn zum Beispiel ein Pferd aus einem Pool gerettet werden muss (so tatsächlich geschehen). Sie ist zur Stelle, wenn es brennt und rettet Unfallopfer. Kommt das Hochwasser oder ist das Dach vom Winde verweht, rücken die Kameraden aus.

Um wirksame Hilfe leisten zu können, setzen sich die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit auf die Schulbank und pauken. Tüngeda ist Ausbildungsstätte zunächst für die 3 Wehren der Löscheinheit (Tüngeda, Reichenbach, Craula) aber auch für die Kreisausbildung im Brandabschnitt III.

Regelmäßige Übungen sind unerlässlich, hier an der Bockwindmühle 2019 (Foto: A. Gebhardt)

In unserer Wehr wurde das Thema Ausbildung und Ausrüstung in den letzten 25 Jahren ernst genommen, denn über 20 Truppmänner, 13 Truppführer, sieben Gruppenführer, zwei Zugführer, zwei Verbandsführer, drei Leiter einer Wehr, 25 Sprechfunker, zwölf Atemschutzgeräteträger, zwei Gerätewarte, ein Kreisausbilder, 9 Maschinisten, zwei Mann für Alarm- und Einsatzplanung, sowie 4 Jugendleiter, legten seitdem erfolgreich ihre Prüfungen ab. In der Truppe geblieben ist leider nur ein Teil. Die Einen kehrten aus beruflichen und familiären Gründen der Heimat den Rücken, Andere haben „wichtigere Interessen“ zu erledigen. Langjährige Jugendarbeit und Mitgliederwerbung verbesserten die Einsatzstärke zuletzt zwar, dennoch fehlt es an Kameraden für die tägliche Absicherung der Einsatzbereitschaft. Vor allem wochentags ist diese nur durch das gemeinsame Ausrücken in der Löscheinheit gewährleistet.

 

 

 

Regelmäßige Übungen sind unerlässlich, hier an der Bockwindmühle 2019 (Foto: A. Gebhardt)

 

Geschichte der Tüngedaer Feuerwehr

Spritzen- und Drückermannschaften 1897 auf dem Tüngedaer Anger, zusammen mit den 3 damaligen Handdruckspritzen (Bild: Die Geschichte der Tüngedaer Feuerwehr, Verlag Rockstuhl)

Mit dem Kauf einer Handdruckspritze im Jahre 1715 durch den Grafen von Wangenheim und die damit einhergehende Gründung einer festgelegten Spritzenmannschaft, Drückermannschaft und Vorspannpflicht fing damals alles an: Deshalb könnte die Feuerwehr in Tüngeda zu den ältesten Wehren Thüringens zählen. Das Gerätehaus wurde 1735 gebaut und während der Dorferneuerung saniert. Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr Tüngeda geht auf das Jahr 1936 zurück. Im Krieg gab es eine Frauenlöschgruppe, da die Männer im Feld waren, erzählt die Chronik.

Die Wehr ist seit der Wende in der Beschaffung von Technik gezwungen gewesen, unkonventionelle Wege zu gehen. So griffen die Feuerwehrleute selbst tief in die eigene Tasche und kauften Gerätschaften und Bekleidungen, bis hin zu Fahrzeugen und Anhängern. Neid aus anderen Orten ist nicht angebracht. Besonders innovativ ist hier die Eigenkonstruktion eines Feuerlöschanhängers für den Erstangriff zu erwähnen, von der Idee bis hin zur Umsetzung gebracht durch unseren ehemaligen Wehrführer Michael Gebhardt (1998-2016).

Auch die Jugendarbeit hat in der Feuerwehr Tüngeda eine große Tradition. Bis 1989 wurden die damaligen "Jungen Brandschutzhelfer" durch Werner Rockstuhl ehrenamtlich betreut. Mit dem Einzug in die neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Gemeindehaus Tüngeda wurde nach zehnjähriger Pause auch eine neue Jugendfeuerwehr gegründet. Jugendfeuerwehrwart wurde zunächst Ronny Bornscheuer, gefolgt von Alexander Gebhardt, und heute stehen Jonny Nixdorf und Axel Gebhardt für die gute Arbeit mit der Jugend. Nicht nur einmal wurden die Jungen und Mädchen Kreismeister.

Die Jugendfeuerwehr 2015, mit damaligen Wehrführer Michael Gebhardt vor dem TS 4[Fischer] Anhänger von 1937 (Foto: T. Metzner; Die Geschichte der Tüngedaer Feuerwehr, Verlag Rockstuhl)

Fakten 2020 zur Tüngedaer Feuerwehr

  • Ersterwähnung: 1715, Gründung der FFw 1936
  • Einsatzabteilung: 18 Männer, leider keine Feuerwehrfrauen
  • 10 Einsatzalarmierungen 2019, 150h Einsatzzeit
  • Jugendfeuerwehr: 7 Kinder, 2 Feuerwehrmannanwärter
  • Alters-und Ehrenabteilung: 8 Kameraden
  • Wehrführer: seit 2017 Ronny Bornscheuer, stellv.WF: Alexander Gebhardt
  • Gerätewarte: Michael Gebhardt, Sandro Wenk
  • ältestes Mitglied in der Einsatztruppe: Wilfried Krupp (64) und Jüngster Julian Walther (18)
  • Jugendfeuerwehr: 1999 wieder gegründet; Jugendfeuerwehrwart Axel Gebhardt
  • Feuerwehrverein e.V.: seit 2000; Erweiterung zum Heimatverein 2014, zusätzliche weitere 11 Mitglieder; Vorsitz: Sandro Wenk
  • Historisches Spritzenhaus von 1735, 2001 saniert
  • KLF-Th Kleinlöschfahrzeug Thüringen (Bj.1996) mit 200L Löschanhänger
  • MZF auf Basis Peugeot „Partner“ Kastenwagen lang mit Doppelkabine (Bj.2017), Ausrüstung technische Hilfe, zusätzlich mit 400m Schlauchanhänger
  • Historischer Gerätewagen/ Mannschaftstransportfahrzeug B1000 Barkas (Bj.1980) betreut vom Feuerwehrverein, sowie TS 4 von 1937

Die ganze Geschichte gibt es auch als Buch beim Rockstuhl Verlag:

Die Aktuelle Einsatztechnik

 

MZF 70 mit 400m Schlauchanhänger, Einsatz zum Mannschaftstransport (1/4) und als Rüstwagen zur technischen Hilfeleistung mit flexiblen Modulen (Strom, Öl, Hochwasser, Kettensägen, div. Rüstmaterial)
(Foto: M. Gebhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KLF-Th (1/4) mit Jöhstadt TS 8/8 und Geräte für die Gruppe im Löscheinsatz, 4x 300bar Überdruck-Atemschutzgeräten, stets eingesetzt im Verbund mit 200L Schnellangriffshänger
(Foto: M. Gebhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TS 10 (Jöhstadt Bj.2007) stationiert im historischen Spritzenhaus am Löschteich (mit fester Saugvorrichtung), der Hauptlöschwasserversorgung des Ortes
(Foto: M. Gebhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Spritzenhaus von 1735, Standort für eine personengezogene Schlauchhaspel 360m und TS 10, es dient als Lager und zur Schlauchtrocknung, außerdem bietet es Platz für den historischen TS 4 Anhänger und den B1000
(Foto: M. Gebhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gerätehaus

 

Das Gerätehaus ist im öffentlichen „Haus der Dienste“ untergebracht (ehemals Gemeindeverwaltung mit Bauhof, umgebaut 1999), Standort für MZF und KLF-Th, und beherbergt einen Schulungs- und Versammlungsraum, sanitäre Einrichtungen,sowie eine Küche
(Foto: M. Gebhardt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Gestaltung/Text A. Gebhardt 02/2020)